Change 2.0 – Spendensammeln á la Sara Joy

    Lest im folgenden Blogpost, warum 10.000 Euro ein guter Betrag ist, aber 100.000 sicherlich besser. Wie Sara in zwei Jahren 250.000 Dollar für gemeinnützige Projekte aufbrachte und über das Verschieben von Unmöglichkeiten. Unerwarteterweise sind wir eine Nacht länger in Malatya geblieben. Dadurch treffen wir auf Sara Joy und Ammon, zwei crowd-funding Experten, die uns zu einer Brainstorming Session animierten. Beide sind der Meinung, beim Fundraising (Spendensammeln) ginge es darum, herauszufinden, wie man möglichst viele Menschen inspiriert. Der Schlüssel ist, dass Menschen spüren, bei einer Sache mitzumachen und nicht einfach nur deren Geld eingesammelt wird.

    Sara Joy, die liebreizende blonde Amerikanerin, mit dem Lächeln, das Berge versetzt, hat uns einiges beigebracht. Man kann vielleicht von einem kollektiven Gutsforchange- Augenöffnen sprechen. Hier siehst du im Interview, wie Sara selbst erklärt, was am besten funktioniert.

    Sara Joy

    ‘Involvieren statt Abgrasen’ ist ihr Motto. Sara hat vor einigen Jahren eine Website mit dem Namen Tipping bucket (Spendeneimer) aufgebaut. Damit konnte sie im laufe der letzten zwei Jahre mehr als 250 000 Dollar einsammeln. Worum geht es beim “Eimer- Prinzip”? Erst, wenn das Geld den nötigen Spiegel erreicht, fließt es. Das motiviert Leute dazu, sich für das Zusammenkommen eines angepeilten Betrags verpflichtet zu fühlen. Die Funds (Spenden) sind in mehr als 50 Projekte geflossen. Sinnvolle Projekte, denn Sara selbst war vor Ort, um sich zu vergewissern. Interessant ist, wie ich finde, dass der bekommt, der richtig fragt. Wer sich früher nie getraut hat, den Bauern zu fragen, ob er einmal den Traktor fahren darf, vermindert seine Chancen ernorm, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Klar, bekommt man eine Hand voll verdutzter Reaktionen, bevor man endlich im Sattel seines Lieblingsfahrzeugs sitzt. Sara verrät uns, dass der Schlüssel zum Spendensammeln in der Interaktion und dem Involvieren von Interessierten liegt. Social Media (die Nutzung von Facebook und Co.) half ihr, dieses Ziel zu erreichen. So lassen sich Neuigkeiten über das Projekt schnell an eine breite Leserschaft verbreiten. Ob eine neue und brandheiße Aktionen geplant oder einfach der Fortschritt des Projekts kommuniziert wird, Facebook und Co. sind dafür sehr gut geschaffen.

    Ammon

    Ammon hingegen schwört darauf, dass Facebook ausgedient hat, um Menschen auf Missstände aufmerksam zu machen. Weil den User in Facebook eine enorm kurze Aufmerksamkeitsspanne auszeichnet, muss ein neues Medium her. Er möchte einen weiteren Schritt in Richtung Demokratisierung gehen und befinden sich mitten im Aufbau einer sozialen Plattform, die auf einem Stimmensystem basiert. Zum Vergleich: Betterplace.org (auf dem Gutsforchange Spenden für das Trockentoilettenprojekt einsammelt) bietet jedem die Möglichkeit, ein Projekt zu inserieren und die Mitglieder der Plattform entscheiden darüber, wohin sie spenden. Ammon, selbst mit einem Bachelor in Education (Lehrer) ausgestattet, möchte seine neue Plattform an ein Punktesystem binden. Allen Beteiligten wird genau eine Stimme gegeben, um ein Projekt ihrer Wahl zu bewerten. So soll in utilitaristischer Manier (kurze Erklärung: nur das ist gut, was einer möglichst großen Anzahl von Menschen zu Gute kommt) garantiert sein, dass nur die Projekte gefördert werden, welche von einer Mehrheit als sinnvoll erachtet werden. Fragwürdig und spannend..

    Mögliche Learnings (Verbesserungen)

    1. Groß denken! Wir zielten auf 10.000 Euros während ca. 800 Milion Menschen in Indien Facilities (Toilettenhäuser) brauchen
    2. Alles selbst zu machen ist outdated (hat ausgedient)
    3. Wie machen wir den Cause (Zweck) zum Zentrum unserer Aufmerksamkeit?

    Wo wir stehen?

    Mittlerweise hatte sich der Zustand des Kompforts eingeschlichen. Es scheint, als wenn dieser jederzeit wieder kommen kann. Wir dachten, dass der Spendenprozess auf betterplace guten Fortschritt macht. Immer, wenn du denkst es läuft gut, kann etwas verbessert werden. Das Einsammeln lief wie im Vorbeifliegen. Genau das vernebelte unsere Wachsamkeit. Mit Ammon und Sara Joy kamen plötzlich Fragen auf, die wir nicht mehr stellten: “Warum nicht weiter gehen? Warum nicht 100.000 Euro sammeln und 250 Toiletten bauen?” Ammon weiß einiges zum Thema Trockentoiletten, da er bereits in Mittelafrika und Südamerika an Projekten mitgewirkt hat. Er meinte, dass am Ende der Preis einer Toilette pro Stück nicht mehr als 40- 70 Dollar sein sollte. Das gibt mehr Hoffnung. Und eine komplett neue Perspektive. Er wies uns darauf hin, dass wir den Termin für das Erreichen der 10.000 € zum Ende der nächsten Woche ansetzen sollten. Also auf den 19. Juli 2012 und nicht erst zum Ende der Reise.

    Doing by Doing” also? Ammon gibt den Startschuss und verpflichtet sich sofort dazu, 100 € beizusteuern, wenn wir 9 weitere Leute finden, die das Gleiche tun. Damit das ganze wirklich erfolgreich wird, verdoppelt eine Firma am Ende den Betrag. So werden in einem Zug 2000 Euro draus. Die Idee dahinter sei genauso powerful (kraftvoll) wie simpel: Die Euphorie, welche in mir bei diesem Gedanken und solch einem Betrag für einen guten Zweck aufkomment, wird auf den nächsten Spender übertragen. Und so füllt sich der Tipping Bucket und zur gleichen Zeit verbreiten sich Informationen über das Projekt.

    Warum in der Welt spendest du 100 Euro für Trockentoiletten am Arsch der Welt?

    Bei einem solchen Betrag ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Spender sich wenigstens die Projektinformationen durchliest und genau das ist es, was wir erreichen möchten.

    Was noch großartiger für die Beteiligten ist, als die Möglichkkeit, sich als Teil einer Bewegung zu fühlen: Die angesteuerte 10.000 €- Marke ist zum Greifen nahe. Das ist unser Verprechen an die GTO, an die ECOSAN aber zuletzt und als allerwichtigstes: Das ist unser Versprechen an die Bewohner von Garade.

    Fazit

    Auf Ercan’s Couch zu übernachten, hat uns eine sehr wertvolle Begegnung bescheert. Gesegnet sei das Couchsurving! Aus einem glücklichen Zusammentreffen entstehen folgende Erkenntnisse:

    • 10.000 Euro in Spenden sind gut, aber 100.000 Euro sind möglich
    • Grenzen warten immer darauf, verschoben zu werden
    • Wenn man Social  Media richtig nutzt, muss man nicht mehr alles selbst machen!

    Vielen Dank fürs Lesen und sharen (teilen)

     

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