Darewadi 2014

    Sven&Thomas FeldEs waren einmal zwei Jungen die Basketball gespielt haben und eine Idee hatten…

    Im Hochsommer 2011 fing alles an – Basketball, Geschwätz, im Hintergrund Hip Hop-Mukke und zwei verschwitzte Basketballfreunde unterhielten sich ernsthaft über die globale Sanitärkrise in Indien. Nun sind zweieinhalb Jahre vergangen. Es wurde eine Fahrradtour von Berlin nach Neu Dehli erfolgreich abgeschlossen, ein Verein namens Non-Water Sanitation e.V. mit den Initiativen Kleingartenkampagne und EcoToi gegründet, sowie Change Architects, Change Films und  Change Travels gegründet. 15.000 € Spenden wurden eingesammelt, ein Dokumentarfilm produziert, eine Webserie bei ARTE Future veröffentlicht, und Guts For Change gewann den Deutschen Preis für Wirtschaftskommunikation. Außerdem wurden wir unter anderem im Oprah-Magazin, bei Focus, Welt und ja sogar in der Times of India vorgestellt – doch dies ist alles nichtig, wenn am Ende keine funktionierenden Trockentoiletten in Indien fertig gestellt worden sind! Hier also ein Überblick zu unserem Projekt aus der heutigen Sicht…

     „Thomas ich recherchiere mal wie teuer ein Frachtcontainer für die Strecke Hamburg-Mumbai ist, dann könnten wir bis zu 10 Trockentoiletten von Separett aus Schweden im Dahravi Slum in Mumbai einsetzen (November 2011)“

    So fing alles an, wir recherchierten eifrig, waren voller Ideen und Hirngespinste, aber wir näherten uns konkretern Umsetzungsstrategien… Ohne Visionen und Emotionen ist es schwer andere zu bewegen und so fanden wir die German Toilet Organization, Ecosan Services Foundation und eifrige Unterstützer die den Visionen einen realistischen Rahmen gegeben haben. Dieser Rahmen war so wichtig und essentiell für die Projektumsetzung, dass ich nur betonen kann wie wichtig es ist einen zuverlässigen Partner vor Ort zu haben. Aufgrund der guten Projektzusammenarbeit, war es überhaupt erst möglich 14.000 € vom BMZ für weitere Trockentoiletten zu erhalten.

    „Thomas ich schaue heute ob die 35 Trockentoiletten in Darewadi fertig gestellt worden sind, prüfst du bitte noch einmal den Businessplan für EcoToi und fragst Roman, ob die Entwürfe für die Schultoiletten und Unterkünfte stehen, Achja und frag bitte Johann wie es mit dem Dokumentarfilm „Sanitation in India“ vorangeht, ich hab morgen ein Treffen mit Shelter Associates in Pune und Sie würden uns gerne bei neuen Toilettenprojekten im urbanen Raum unterstützen (März 2014).“

    So schnell ändert sich das Arbeitsumfeld, wir professionalisieren uns und suchen neue Projekte, 35 UDDT’s – wir wollen mehr bauen, wie können wir das Projekt erweitern? Was ist mit Soap-Production, Menstruationshygiene, Tippy-Taps in Slums bauen, oder neue Schultoilettenprojekte in Indien, Kongo, Ghana, oder Pakistan?

    Stopp… Kommando zurück…funktioniert unser erstes Projekt wirklich? Wurde es erfolgreich abgeschlossen? Ist es ein Musterbeispiel für weitere Projekte in der Region, oder sogar für ausländische Projekte?

    Die erste Projektphase, mit dem Bau von 10 UDDT’s, wurde offiziell  im Hochsommer 2013 abgeschlossen. Wie im letzten Projektupdate ersichtlich, war das größte Problem der zu langsame Bauprozess. Die neue Projektphase musste somit unbedingt mit einer neuen Baufirma umgesetzt werden, sonst bestand das Risiko, dass die strengen Auflagen des BMZ nicht eingehalten werden konnten. Die Spannung war groß, denn die GTO und die ESF müssen nun gegenüber dem BMZ Report erstatten. Diese fördern unser Darewadi-Projekt mit wie gesagt 14.000 €. Der Zuschuss motiviert alle Beteiligten, die Vertragsziele einzuhalten und in die Praxis umzusetzen.

    Der dritte Projektbesuch war demzufolge spannend, aufschlussreich und schließlich erfolgreich. Es sind innerhalb eines halben Jahres 25 weitere UDDT’s gebaut worden. Seit Dezember 2013 stehen im Dorf Darewadi, bestehend aus vier Dorfgebieten, 35 Trockentrenntoiletten.

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    Eine von 35 UDDT’s in Darewadi :)

     Was bisher wunderbar  läuft und sehr gut umgesetzt wurde:

    1. Bau von 25 weiteren UDDT’s
    2. Bau von Zwei- Pour-Flush Toilets mit Septic-Tank für die Schule
    3. Neuer Regenwasserauffangtank (2000l) für die Schule mit neuer Dachrinne
    4. 35* 200-l Wassertanks, um die Hygienemaßnahmen durchzuführen
    5. UDDT-Konstruktions-Training für alle 25 UDDT-Besitzer
    6. 25 Plakate über die Handhabung der Toiletten
    7. Verschiedene Trainings und Umfragen über Menstruationshygiene und Handhabung der Toiletten
    8. Training mit den Farmern über die Wiederverwendung von Fäzes und Urin
    9. Es wurden in ganz Darewadi neue Mangobäume gepflanzt, ein Schulgarten angelegt und der Ertrag der Farmer konnte mithilfe von Urin gesteigert werden
    10. Darewadi ist schon heute ein Vorzeigprojekt für Studenten aus Dehli, Pune und Mumbai > viele Gäste und wissenschaftliche Experten besichtigen das Dorf und befragen die stolzen Nutzer
    11. Es gibt 5 weitere Dörfer im näheren Umfeld, die ebenfalls UDDT’s haben wollen

     Was bisher noch nicht gut läuft oder noch nicht umgesetzt wurde:

    1. 3 UDDT’s werden noch nicht genutzt und 2 UDDT’s werden nicht mehr genutzt
    2. Der Septic-Tank ist noch nicht an die Schullatrine angeschlossen
    3. Die Tippy-Tapps werden von den Schulkindern noch nicht routinemäßig genutzt
    4. Die lokale Seifenproduktion konnte noch nicht umgesetzt werden
    5. Das Handwaschtraining muss verbessert werden
    6. Es wird im Dorf leider noch immer Open Defecation betrieben
    7. Das Dorf hat ein allgemeines Problem mit dem Plastikmüll, welches den Zugang zu zwei UDDT’s erschwert

     Zu den Projektproblemen:

    Die positiven Seiten eines Projektes darzustellen, fällt natürlich einem Projektleiter einfacher, als tatsächliche Probleme zuzugeben. Doch die Probleme halten sich in Grenzen und man lernt daraus schnell, sodass für das neue Schultoilettenprojekt schon Anpassungsmaßnahmen getroffen worden sind.

    1. UDDT-Konstruktion

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    Doppel-UDDT leider im Moment nicht in Benutzung

    Von den insgesamt 35 UDDT’s werden momentan 30 hervorragend genutzt. Bei zwei Toiletten muss noch gefliest werden und drei weitere Toiletten werden leider nicht genutzt.  Dazu zählt leider auch unsere Doppel-UDDT. Bei der einen Toilette ist die Tür rausgebrochen und die Urinleitung soll nach Meinung des Besitzers angeblich undicht sein. Nach einer langen und eifrigen Diskussion mit dem Besitzer und Ganesh, Projektleiter bei der ESF, kam schließlich heraus, dass der Besitzer schlicht kein Akkuschrauber besitzt, um die Mängel selbstständig zu beheben. Denn nach Angaben der ESF hat jeder Besitzer ein Konstruktionstraining erhalten und genügend handwerkliches Geschick. Es muss aber auch betont werden, dass nun jeder UDDT-Besitzer selbstständig für die Sauberkeit und Instandhaltung seiner Toiletten verantwortlich ist. Es muss nun geklärt werden, ob es ein Konstruktionsfehler von Seiten der ersten Baufirma ist, oder schlicht Faulheit des UDDT-Besitzers. Doch wir überlegen, ob wir als letztes Sanktionsmittel die Doppel-UDDT zwei anderen Familien in unmittelbarer Nähe übertragen. Die dritte Toilette ist erst vor einem Monat eröffnet worden und wird leider noch nicht sofort genutzt. Die Besitzerin versprach dies umzusetzen.

    2. Open Defecation in Darewadi

    Eine weitere Beobachtung ist, dass leider immer noch OD im Dorf betrieben wird. Denn es haben 20 Prozent der HH leider immer noch keine Toilette und die Frage ist, wie schnell das Wissen an die Kinder weitergegeben werden kann. Denn es waren überwiegend Kleinkinder zwischen 3-5 Jahre die noch im Freien defäkieren. Das Training muss somit vor allem in der ansässigen Kindergrippe verstärkt werden.

    3. Tippy Taps und Seifenproduktion

    Leider muss bei beiden Projekten an der Adivasi Schule und  in Darewadi gesagt werden, dass die Tippy Tapp noch keine langfristige Handwaschroutine ermöglicht haben, sondern eher als kurzfristige Trainingseinheit funktionieren. Bei beiden Projekten fällt es bis heute schwer eine funktionierende Seifenproduktion zu integrieren. Wir haben mit dem Schuldirektor intensiv besprochen, wie wichtig eine Handwasch-Alltagsroutine ist und das er neben den normalen Handwaschvorrichtungen auch die Tippy Tapps wieder nutzen soll. Die Kinder sollen schnellstmöglich spielerisch die tägliche Hygiene an der Schule erlernen. Hier bin ich persönlich ein bisschen enttäuscht, dass es uns bis heute so schwer fällt dies angemessen und im umfangreichen Maße umzusetzen. Denn vor allem die direkte Übertragung von Krankheitskeimen ist für die Kleinkinder gefährlich.

     4. Plastikmüll

    Das Müllproblem ist leider ein generelles Problem in Indien. Der Plastikmüll ist überall, verschandet die Umwelt, wird verbrannt und verpestet die Lungen und ist nicht schön anzuschauen. In Darewadi gibt es zwei kleine Deponien für Plastikmüll. Leider befinden sich dort auch direkt zwei unserer UDDT’s, sodass der Zugang für diese Familien erschwert wird. Das Problem besteht seit Jahren und die kurzfristige Lösung ist, dass Problem einfach weiter außerhalb der Dorfgemeinschaft zu verlagern.

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    UDDT umgeben von Plastikmüll… auch ein generelles globales Problem..

    Gesamtfazit

    Nun muss man  sich manchmal zurücklehnen ein Sweet Lassi trinken und tief durchatmen….Es gibt ein schönes Schlagwort chalta he, was Johann immer mal wieder benutzt hat.

    Es bedeutet soviel wie passt schon, wird schon… Das Projekt verläuft sehr gut und einige Macken werden noch die nächsten Monate behoben. Ich bin mit dem gesamten Projektverlauf äußerst zufrieden.

    Doch wir haben nun eine neue Aufgabenstellung und eine neue Leitfrage:

    Wie schafft man es, schnellstmöglich eine nachhaltige Seifenproduktion und ein sehr gutes Handwaschtraining im ländlichen Raum, in Slums und an Schulen umzusetzen?

    Früher hat die Mutter kurz auf die Finger gehauen, wenn wir als Kleinkinder mit unseren dreckigen Händen den Mund berührt haben. Doch das Wissen muss erst generationsübergreifend vermittelt werden und verwurzelt sein. Ansonsten sehe ich die Schule als wichtigste Institution um Hygienewissen zu vermitteln. Demzufolge liegt es an uns, dies  tatsächlich noch in diesem Jahr  in die Praxis umzusetzen… Das Projekt geht weiter…und wir sind spätestens im Oktober wieder Back in Darewadi…

    Weitere ausführliche detailreiche Informationen:

    Meine Bachelorarbeit über das Projekt

    Bengo Project Draft Report Feb 2014

     

     

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