Motivation für eine Odyssee

Mut sammeln

In Anbetracht einiger Verrückter im Netz ist eine Radtour von 10000 Kilometern nichts komplett neues. Tim Waldthaler scheint schon mehr als 430.000 Kilometer in seinem Leben geradelt zu sein. Das entspricht ca. 10 Erdumrundungen. Ich würde gerne genauso verrückt sein und daher bedeutet das Wort für mich an dieser Stelle nur positives.

Der Weg ist nicht das Ziel

Wo für die meisten Biker Reisen das Ziel ist, verfolgt Guts For Change ein anderes Unterfangen: Nämlich Spenden für ein Trockentoiletten-Projekt zu sammeln. Das Projekt entsteht in einer der infra-strukturell schwächsten Gegenden Mumbai’s. Daher ergeben sich anschließend an die Fahrradtour weitere Herausforderungen:

  • Wie schaffen wir es, von den Bewohnern des Viertels die nötige Akzeptanz für ein solches Unterfangen zu gewinnen?
  • Wie schwierig wird es, die Trockentoiletten in einem Slum zu unterhalten? Und wie organisiert man das?

Ziel ist es, die Finanzierung eines nachhaltigen Projekts möglich zu machen. Dazu gehört auch, Antworten auf diese Fragen vorzulegen und das ist, was mich an unserem Vorhaben besonders interessiert.

Warum die Radtour?

In den Medien ist Nachhaltigkeit nichts Neues. Nur warum wird so wenig getan? Ich finde, es fehlt die wirkliche Berührung mit den Dingen. Beispielsweise sind Informationen über die Verbrennung von Elektronikschrott in Ghana offen verfügbar. Preisgekrönte Bilder von schwarzem Rauch zirkulieren im Netz und sind in Dokus auf Arte zu sehen. Doch die Öffentlichkeit ist es gewöhnt, selbst in unangenehmen Bildern, wie brennendem Schrott, die ästhetische Komponente zu prämieren. Diese hebelt den ursprünglichen Zweck der Bilder wieder aus. Der Zweck war es, Missstände aufzuzeigen. Von der Fahrradtour erhoffe ich mir, “Berührung mit den Dingen” herzustellen, ohne zu dramatisieren.
Als Thomas im September letzten Jahres aus Indien wiederkam, habe ich gemerkt, wie das geht. Er erzählte von Menschen, die er aus dem vorbeifahrenden Zug beim morgendlichen Toilettengang beobachten konnte. Zu hören und zu erfahren, dass im Bevölkerungsgiganten Indien ca. dreiviertel aller Menschen keinen Zugang zu einem geschlossenen Toilettensystem haben, war für mich erschreckend. Ich fahre mit, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen.

Veränderung als Chance 

Ich weiß, wie einfach es ist, sich etwas vorzunehmen und wie schwer, es dann auch durch zu ziehen. Oft hört man auf halber Strecke auf. Plötzlich erscheint ein Vorhaben unmöglich. Aufgeben ist nun der letzte und meist logische Ausweg.
Derzeit studiere ich Kulturwissenschaften an der Universität Viadrina in Frankfurt (O). Ich liege schon seit über einem Jahr in den letzten Zügen meines Studiums. Jetzt stehe ich vor der Frage, ob ich mein Studium beenden soll oder für einen guten Zweck mit dem Fahrrad nach Indien fahre. Ich habe mich für die Fahrradtour entschieden. Der aus Karrieresicht wichtiger scheinende Abschluss kann warten. Letztendlich sehe ich die Tour nicht als Aufgeben meines Studiums, sondern als Chance, meine persönlichen Ziele zu fokussieren, um danach mit der nötigen Entschlossenheit fertig zu studieren.

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