Projekt-Update 2013

    Projektupdate 2013

    Als Projektleiter und Mitinitiator des Trockentoilettenprojektes in Darewadi, war es für mich sehr spannend die aktuellen Entwicklungen zu dokumentieren, zu analysieren, bestehende Probleme und natürlich auch positive Entwicklungen wahrzunehmen und darüber mit der Ecosan Services Foundation zu diskutieren und neue Zukunftspläne zu vereinbaren. Auch die ständige Kommunikation mit dem Guts For Change Team, der German Toilet Organization und den Vereinsmitgliedern von Non-Water Sanitation e.V. waren unabdingbar für die aktuelle Projektarbeit in Indien.

    Für euch stellt sich nun die brennende Frage:

    Wie ist der aktuelle Stand, was passierte mit den Spendengeldern und was haben wir in Zukunft damit vor? Wie viele UDDTs sind fertig gestellt? Werden diese tatsächlich genutzt?

    Ich werde nun meine Erlebnisse zusammenfassen.

    Zunächst ein Einblick in die Finanzierungspläne:

    Bisher sind 13.500 € gespendet worden.

    1. Schritt – 5.000 € (April 2012-März 2013)

    Die ersten 5000 € sind an die Ecosan Services Foundation überwiesen worden. Angestrebtes und vereinbartes Ziel war es bis März 2013 10 UDDTs fertigzustellen. Von diesen 10 Trockentoiletten würden circa 50 Dorfbewohner profitieren.

    Diese erste Projektphase dient auch als Rückversicherung für Non-Water Sanitation e.V. (NWS) und German Toilet Organization (GTO), ob die Projektarbeit gut funktioniert. Des Weiteren könnten mögliche Kinderkrankheiten in der Zusammenarbeit herausgefiltert und Anpassungsstrategien entwickelt werden.

    2. Schritt – 5.000 € (April 2013-November 2013)

    Die GTO hat beim BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) einen Bengo- Antrag angereicht. Mit Hilfe von diesem Antrages könnten weitere Projektgelder für das Projekt in Darewadi generiert werden. Dazu muss die GTO einen Eigenfinanzierungsanteil von 5.000 € einbringen, der über unsere Guts For Change Spenden erbracht werden würde. Das Projekt in Darewadi könnte so weitere 25.000 € erhalten und noch größer werden. Die Entscheidung darüber fällt in den nächsten zwei bis drei Wochen. Das Geld wird dann an die ESF überwiesen und diese muss das gesamte Projektbudget bis spätestens Dezember 2013 zu 100% in das Darewadi- Projekt investieren. Die GTO wäre dann gegenüber dem BMZ verantwortlich. Die ESF und NWS sind natürlich weiterhin unabhängig vom Bengo-Antrag vertraglich involviert. Wenn es klappt könnten so weitere 20-25 UDDTs bis November 2013 in Darewadi gebaut werden und weitere Softwaremaßnahmen wie Hygieneaufklärung finanziert werden.

    3. Schritt – 3.500 €  (April 2013- 2014)

    Wenn der Bengo-Antrag klappt, können die restlichen Gelder auch für andere soziale Projekte, wie das von uns vorbereitete Trockentoilettenprojekt an der  Adivasi Ashramshala Residential School in Indien gespendet werden. Andernfalls werden natürlich alle Mittel dem Darewadi Projekt zugute kommen.

    4. Schritt (immer)

    Fortlaufend versuchen wir natürlich weitere Spendenveranstaltungen zu organisieren und Investoren zu finden.

    Mithilfe des Dokumentarfilmes und mit eurem Engagement können wir in Indien oder Deutschland weitere Spendenpartys veranstalten und neue Investoren für unser soziales Projekt gewinnen, so dass weitere Toiletten gebaut werden können.

    Nun noch ein paar Schritte zurück:

    1. Schritt – Erfahrungen aus der ersten Projektphase

    Seit 4 Wochen bin ich nun vor Ort und habe Darewadi seitdem mehrfach besichtigt:

    Der momentan aktuelle Stand ist, dass bisher 6 UDDTs komplett fertig gestellt worden sind. Die restlichen vier UDDTs werden im April 2013 fertig gestellt.

    Nun gab es einige Gründe wieso bisher nicht alle 10 UDDTs fertig gestellt worden sind:

                            1. Geographisch/ Kulturell bedingte Schwierigkeiten

    Wassermangel und Stromausfälle in der Trockenperiode verzögern den Bauprozess. Es kann in der Trockenperiode ohne Wasserzufuhr kein Beton angerührt werden, die Leute können sich nicht ausreichend mit Wasser versorgen und es gibt eine fehlende Motivation bei 36 Grad im Schatten zu arbeiten. Der im Juni-September einsetzende Monsun verzögerte den Bauprozess ebenfalls. Hier sind vor allem Überschwemmungen der Zufahrtsstraßen, fehlende Trocknungsmöglichkeiten der Baumaterialien und starke Winde verantwortlich für den Baustopp.

                            2. Kulturell bedingte Schwierigkeiten

    Nach Ende des Monsuns setzt die indische Festivalzeit ein (September bis Dezember) in der die Prioritäten vieler Menschen auf der Ausübung der Feste liegt. In dieser Zeit ist es schwer die Dorfbevölkerung zu erreichen oder die Baufirma zum Arbeiten zu motivieren.

                           3. Verteuerung der Rohstoffpreise

    Die Kosten für Rohstoffe sind in der Zwischenzeit in die Höhe gestiegen.

    Grund dafür: Die Baufirma hat zu langsam gearbeitet und der Bauprozess hat sich hingezogen. In der Zwischenzeit hat die indische Regierung die Preise für Ziegelsteine, Stahl etc. angehoben und die Kalkulation ging damit nicht mehr auf. Nun kam es zu einem inneren Konflikt bei der ESF.  Kalkuliert wurden 23.000 Rupien (340 €) pro UDDT. Nachdem der Preis für Rohstoffe in Indien stark gestiegen ist, kostet nun eigentlich derselbe Bau fast 30.000 Rupien (430 € pro UDDT). Die ESF wird aber aufgrund der Vertragsvereinbarungen die 10 UDDTs zum ersten angegebenen Preis fertig stellen  und gerät nun dadurch in Konflikt mit der einzigen lokalen Baufirma, die in Darewadi die UDDTs baut.

                            4. Lokale Abgeschiedenheit

    Durch die lokale Isolation der Region um Darewadi, hat sich nur eine Baufirma bereit erklärt die UDDTs zu bauen. Das führt zu einer Abhängigkeit der ESF gegenüber der Baufirma.
    Diese hat nur 4 Arbeiter für den Bau in Darewadi, und wird von der ESF etappenweise finanziert. Die Firma hat eine Monopolstellung und kann damit Druck gegenüber uns aufbauen. Es ist aber sehr schwer Baufirmen zu akquirieren, die in der abgelegenen Region UDDTs bauen. Ländliche Firmen gibt es nicht viele (bzw. wollen nicht zu den von uns vorgegebenen Preisen arbeiten) und städtische Firmen zu beauftragen wäre auch sehr kostspielig, weil man die Arbeiter jeden Tag nach Darewadi hin und zurück fahren müsste.

    Alle genannten Gründe sind einzig für eine Verzögerung der Baumaßnahmen verantwortlich, nicht jedoch für die Qualität der bisher geleisteten Arbeit.

    Nun hat der Chef Mr. Panse von Ecosan Services Foundation folgendes zugesprochen:

    Wir sind dafür verantwortlich, dass die 10 Toiletten mit dem vorgegebenen Budget sobald wie möglich fertig gestellt werden. Es werden keine extra Finanzen für die Fertigstellung der 10 UDDTs beansprucht. Die ESF kümmert sich mit ihren Mitteln darum und ist obliegt in ihrer Verantwortung die erste Projektphase zufrieden stellend abzuschließen.

    Es wird nun gemeinsam nach neuen Baufirmen und nach neuen Motivationsstrategien gesucht. Ob Bonus-Ausschüttungen, Auslosung zwischen mehreren Baufirmen, Mehr Schulungen der lokalen Dorfbewohner wie man UDDTs baut usw.

     Wie werden die ersten 10 UDDTs genutzt?

    Shataram Dada Wadkar nutzt bereits monatlich 3* 35 Liter Urin für die Düngung seiner Weizenfelder und erzielt damit einen doppelten Ertrag. Kerba Dada Wadkar erzielt einen erhöhten Erbsenertrag. Dabei sind die Pflanzen 30 cm höher als die restlichen Erträge. Auch Popat Dada Wadkar nutzt auf 1000 m² Ackerfläche Urin als Düngemittel und empfindet dies als völlig normal. Die Nachbarn sind nicht entsetzt über die UDDT-Benutzer. Im Gegenteil, einige Haushalte im Umfeld der UDDT-Familien, möchten nun ebenfalls diese Trockentrenntoiletten besitzen. Die größte Motivation eine UDDT zu besitzen ist für die landwirtschaftlich geprägte Region, eigenen Düngermittel herzustellen. Die anderen drei Familien nutzen bislang Urin noch nicht, sondern sammeln diesen und warten auf die bevorstehende Regenzeit. Ob die Besitzer nun sogar ihren eigenen Urin verkaufen wollen, wurde überraschend ehrlich beantwortet. Sie produzieren dafür noch zu wenig, es reicht gerade so für ihr eigenes Land. Die UDDTs selber riechen nicht und sind überraschend sauber. Das Training hat sich gelohnt.

    Weitere projektbezogene Maßnahmen- Phase 1

    Was wir (ESF/GTO/NWS und Guts For Change) bisher geleistet haben:

    • Aufklärungskampagnen von April 2012-März 2013
    • Vertragsverhandlungen mit der Community
    • Maurertraining
    • Walk of Shame/ Mapping
    • 100 Gesundheitsfragebögen bei 38 Haushalten durchgeführt
    • 40 Landwirtschaftsumfragen bei den Farmern in Darewadi
    • 30 Menstruationsfragebögen von Frau zu Frau
    • Einzelinterviews mit den UDDT-Besitzern, Ärzten und Dorfvorstehern
    • Zählung der Wassertanks, Regenrinnen, Latrinen usw.
    • Mehrere Präsentationen über UDDTs, Hygiene, Auswertungen der Umfragen
    • Wasser- und Bodenproben genommen
    • Videopräsentationen bei den Grundschülern über die Tour, unser Projekt
    • Schenkungen ( Globus, Landkarten, Fußball, Seife, Fotos)
    • Kartierung des gesamten Dorfes mithilfe von GIS
    • Ständige Gruppendiskussionen
    • Bau eines Tippy Taps
    • Hygiene Promotion
    • Interkulturellen Austausch (Bilder, Videos, Malereien)

    Written by Sven Riesbeck and Steffi Rönitzsch

    Die 10 UDDTs – Bilder:

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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