Von “Was esst ihr?” zu “Wie wir essen!”

    [dropcap1]E[/dropcap1]infach reinbeißen und fertig ist die Geschichte. Lustigerweise war genau das der Ratschlag einer britischen Ernährungsberaterin, die uns am Lagerfeuer bei einem Bier und einer böswilligen Pizza tschechischen Fabrikats antraf. Weil Thomas sich sehr selektiv von Nüssen und Beeren ernährt, schmerzte ihn dieser Hinweis besonders und seit diesem Tag entschloss ich mich heraus zu finden, wie viel Einfluss meine Ernährung auf das körperliche Wohlbefinden bei einer sehr hohen Menge an Bewegung eigentlich hat. Laut unserer britischen Freundin: keinen. Sie riet uns, schnell-umsetzbare Kohlenhydrate wie Weißbrot und viel zuckeriges Zeug zu futtern.

    Im Folgenden lest ihr zum Thema Ernährung während der Fahrradtour – aus meiner  persönlichen Sicht. Mein Ziel ist es, über meine Essgewohnheiten zu lernen, um Geld zu sparen, egal wo ich grade unterwegs bin.

    Ich konzentriere mich auf vier Faktoren in folgender Hierarchie:

    1. Niedriger Preis
    2. Qualität und Nährwerte
    3. Verfallsdaten
    4. Gewicht

    Warum den Preis drücken?

    Ich bin Student und habe während der Tour kein Einkommen. Alles, was nicht bei 3 aus dem Reduziert-Regal fällt, kaufe ich nicht. Dabei spielen jedoch auch Qualität und Nährwerte eine Rolle, denn je weniger davon im Essen enthalten sind, desto öfter muss eingekauft werden, was wiederum das Budget für meine Ernährung erhöht. Weiterhin können Verfallsdaten und Qualität voneinander abhängen, da z.B. ein Kartoffelsalat ohne Konservierungsstoffe den Magen weniger belastet, aber wahrscheinlich kürzer haltbar ist. Letztendlich ist das Gewicht nur dann entscheidend, wenn die Supermärkte knapper werden unsere Proviantreserven weniger oft aufgefüllt werden können.

    Warum über Ernährung schreiben?

    Noch vor der Radtour stutzte Max mich mit der Frage, “Was wollt Ihr eigentlich auf der Tour essen?”. Ich fand dich Frage gut und schlug ihm sofort mein Lebensmittel Nr. 1 in Kosten (35 Cents bei Lidl) – Nutzenrelation (Nährstoffe) vor: Haferflocken. Pro 100 g Haferflocken bekommst du ca 13,8 g Eiweiß, eine Menge Ballaststoffe, 7 g Fett und 60 g Kohlenhydrate (ca. 370 kcal) mitgeliefert. Er schluckte das jedoch nicht und wollte mehr wissen. Also begann ich nachzuforschen und in Erfahrungsberichten von Langzeitradfahrern zu lesen. Die Ergebnisse bestätigten meine Vermutung. Haferflocken sind ziemlich praktikabel, aber noch nicht das Ende der kulinarischen Fahnenstange. Der Klassiker war: Müsli mit Wasser und Milchpulver für den Geschmack. Ab und zu Dosen – an Festtagen. Hmmmm ?!

    Haferflocken mit nur Wasser habe ich anfangs probiert, als das Adrenalin vom Gedanken an ein komplettes Survivor-Dasein meine Geschmacksnerven noch weichspülte. Aber so richtig überzeugt hat das keinen in der Truppe. Und mich nicht, denn ich esse nun quer Beet. Ich halte fest, wie ich mich während unserer low-budget Tour ernähre, damit Ihr am Ende erfahrt, wie man auf einer Fahrradfahrt richtig und lecker isst. Aber was bedeutet richtig? Denn was für den einen richtig erscheint, ist für den anderen falsch. Günstig? Gesund? Einfach die ausreichenden Nährstoffe aufnehmen oder gar Gewicht zulegen? Und lecker? Hier die ersten Erfahrungen …

    Ohne Frühstück geht gar nichts

    Einen Kaffee und Zigarette und dann geht’s ab. In einem GEO-Artikel, über die verschiedenen Essgewohnheiten ausgewählter Menschen aus allen Ländern der Erde, war von einem Künstler die Rede, dem dieses kleine Nikotin/ Koffein-Frühstück reicht. Danach malt er 1 Bild und isst erst am nachmittag wieder. Damit würde ich bei einem Acht-Stunden Tag auf dem Fahrrad nicht weiter als vom Bäcker zum Fleischer kommen. Die Belastung beim Treten fordert kontinuierlich die Energiereserven des Körpers. Ich habe schnell für mich festgestellt, dass ohne ein umfassendes Frühstück, aus Haferflocken, Apfel, Birne, manchmal Bohnen oder einer Fischdose mit Brot, die Leistung sehr schnell einbricht. Und zwar schon nach den ersten 10 Kilometern.

    • Frühstück ala “keine Zeit”: Haferflocken in Eiskaffee oder ein Apfel
    • Frühstück “King Size”: kleine Dose Bohnen, Fischdose, etwas Müsli mit Milch, dunkles Brötchen mit Käse, helles Brötchen eingetunkt in Leinenöl und Zucker, Apfel, Birne, Schwarzer Tee

    Müdigkeit nach dem Mittagessen

    Wenn wir wieder einmal spät gestartet sind und dann versuchen die verlorenen Kilometer aufzuholen, kommt es zur späten Mittagspause. Oder wir radeln durch die Tschechische Republik und riechen Knödel aus vorbeifliegenden Gasthäusern, während wir strampeln. Das hat zur Folge, dass wir dann viel und herzhaft bestellen. Und viel essen. Danach passiert, was Truckerfahrer wohl ständig erleben. Die mobile Siesta. Ich habe noch keinen auf dem Fahrrad schnarchen hören, aber die Müdigkeit nach dem „überessen” ist fatal. Unsere Erklärungsansätze gehen bis jetzt in die Richtung:

    Dadurch, dass unser Verdauungssystem das ganze Blut in den Magen schickt, sind die Muskeln unterversorgt und auch das Gehirn wird in einen schläfrigen Zustand manövriert

    Zugegebenermaßen ist Mittag für mich eine heikle Angelegenheit geblieben. Es liegt auf der Hand, dass etwas gegessen werden muss, das stärkt, um guter Dinge weiter zu radeln.  Idealerweise auch einmal pro Tag warm zu essen, tut dem Körper gut. Aber das optimale Mittagessen habe ich noch nicht entdeckt.

    Abends essen

    Bei professionellen Radrennfahrern ist die Nahrungsaufnahme streng reguliert. In diesem Artikel wird beschrieben, wir streng Lance Armstrong den Tagesablauf und Kalorienaufnahme regelte. Heißt das, über den ganzen Abend die Kohlenhydrat-Tanks auffüllen und über den Tag verteilt schnelle Energielieferanten knabbern, wie wir es bisher gemacht haben? Auf einer Radsportseite fand ich:

    Die Formel lautet: viele Kohlenhydrate, ausreichend Proteine, wenig Fett und dazu viel trinken. Die Formel verliert ihre Gültigkeit auch nicht in der Zeit nach dem Training oder Wettkampf. Kohlenhydrate, Proteine, Kalium und Wasser lassen den Körper nämlich schneller regenerieren, Fett und Alkohol verzögern die Erholung.

    Bier wird an vielen Stellen als sehr nahrhaft angepriesen und das ist es sicher auch. Ein gutes Pils muss einfach sein. Aber es hilft in der Ausruh-Phase eher der Psyche als der Physis. Nachdem wir im slowakischen Dorf Sap einmal 32 Scheiben Brot bestellten, merkte ich langsam, dass ein sehr guter Zeitpunkt, um  Teile des Energie- Speichers wieder aufzufüllen, der Abend ist. Ich werde in der nächsten Woche einmal genauer dokumentieren, wie viel Proteine, Fette und Kohlenhydrate ich annäherungsweise einschmeiße. Weiterhin interessiert mich, wann die besten Zeitpunkte für die Einnahme welcher Nahrungsmittel sind.

    Unterzuckerung

    Johann erging es so und mir auch. Resultat war, dass ich herzlichst in eine ‘Erzgebirger Sahneschnitte’ hinein biss, um meinen Zuckerhaushalt zu regulieren. Später kam es in Österreich wieder vor. Nach einer von Thomas’ Ernährungsanekdoten darüber, dass Äpfel und Bananen genug sind, um Energie fürs Radeln aufzubringen, kam unterwegs der Schock, ich war leichter abgelenkt, schwach und fühlte mich unterzuckert. Trotz Banane. Mit dem Ergebnis, dass diesmal eine Fruchtschnitte zu meinem Opfer wurde. Seit dem habe ich Tschechische oder Wiener Waffeln, Palatschinken oder einfach ein Paar Snickers in meiner Lenkertasche.

    Ich bin ganz froh. Im Großen und Ganzen, lässt das Thema ‘Ernährung auf dem Fahrrad” noch viele Fragen offen, denen ich mich auf den nächsten 8800  Kilometern zuwenden kann.

    Fazit: Wann essen vs. was essen

    Ich achte seit ca. 5 Jahren darauf, was ich in meinen Tank einwerfe. Zuerst versuchte ich “mehr Gutes” zu essen. Dann irgendwann aß ich weniger, weil ich aus Hotel Mama auszog aber dafür ausgewähltere Sachen. Doch meine Ernährung drehte sich nie explizit um Zeitpunkte,  Mengen und die Art zu Essen (oder Kunst zu essen?). Ich wollte immer möglichst viel Eiweiß, viel Mineralstoffe und viel Energie zu mir nehmen. Hohe Quantität bedeutete hohe Qualität für mich.

    Beim Radfahren scheint das anders zu sein. Das geht aus den Erfahrungen, die wir seit gut 3 Wochen auf dem Rad machen konnten, hervor. Erstaunlich finde ich, wie viel ich über meine Ernährung noch lernen und an ihr verändern kann.

    Fazit: Mengen, Zeitpunkte und die Dauer der Nahrungsaufnahme sind es, die die gute und richtige Ernährung für das Fahren erschweren: Wenn man schnell isst, überisst man noch schneller. Der Körper verdaut schwerer, man wird müde und die Leistung ist gering. Zudem macht es den Anschein, dass weniger Nährstoffe in den Körper gelangen. Als logische Folge machen wir kontinuierlich neue Anpassungen darüber, was wir wie schnell zu welchem Zeitpunkt am Tag essen. Genaueres folgt …

    Artikel in Planung:

    1. Versuch der Erstellung eines Effizienzfaktoren für die Ernährung eines Radfahrers. Was kostet am wenigsten und liefert am meisten?
    2. Bioverfügbarkeit der Nährstoffe. Jeder pfeffert sich Vitamintabletten rein und extra Magnesium. Möglicher Placebo-Effekt?

    Click on a tab to select how you'd like to leave your comment

    Leave a Reply

    Your email address will not be published. Required fields are marked *

    %d bloggers like this: